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HTL-Ottakring / Höhere Technische Bundeslehranstalt Wien 16

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HTL-Ottakring / Höhere Technische Bundeslehranstalt Wien 16 > Infos > Geschichte der Schule  

Geschichte der Schule

10 Jahre HTL-Ottakring

130 Jahre Schulgeschichte

 

Die jetzt feiernde „HTL Ottakring“ ist im Oktober 1999, also vor 10 Jahren, durch Übersiedlung der traditionsreichen „HTL Schellinggasse“ nach Ottakring gekommen. Aber nicht nur diese zehn Jahre sind ein Anlass zum Feiern, sondern auch die Tatsache, dass es die Schule bereits seit 130 Jahren gibt. Und so erscheint ein Rückblick auf die Entstehungsgeschichte dieser Schule angebracht.

Wir sind stolz auf die Vergangenheit und wir blicken voll Optimismus in die Zukunft!

 

 10 Jahre HTL-Ottakring

ein kleiner Hinweis: Diese Webseite beruht sich auf eine Beilage zu unserer Festschrift (Autor OstR Prof. i.R. Mag. Leopold Stadler) 

 

 

Am 4.10.1999 wurde die Schule von Frau Unterrichtsministerin Gehrer, Herrn Wirtschaftsminister Farnleitner und Herrn Bürgermeister Häupl eröffnet.

 

Zum erstenmal hatten wir Theorietrakt, Werkstätten und Turnhallen in einem Haus, das den Unterricht für SchülerInnen und LehrerInnen wesentlich erleichterte.

 

In diesem Zeitraum hat sich auch im Ausbildungsangebot einiges getan. Es kam der neue Zweig Informationstechnologie sowohl in der Tages- als auch in der Abendschule dazu. Es wurde die Fachschule für Computer- und Kommunikationstechnik eingeführt. Das Besondere an ihr ist, dass der letzte Jahrgang vier Tage im Betrieb draußen (von der Schule begleitet) und einen Tag bei uns in der Schule stattfindet. Diese Schulform findet großen Zuspruch bei den 14-Jährigen und große Zustimmung in der Wirtschaft.

 

Die Schule hat sich auch auf Grund der Veränderungen in der Wirtschaft und unserer Zugehörigkeit zur EU vom Inhalt her verändert. Sprachen und Wirtschaft sind gegenüber den alten Lehrplänen stark aufgewertet worden.

Ein Beispiel dafür ist, dass die SchülerInnen die Möglichkeit haben, sich das „Cambridge Certificate“ und den „Europäischen Wirtschaftsführerschein“ anzueignen.

 

Die Stärke der HTL war über 130 Jahre, dass sie flexibel und innovativ alle technischen Neuerungen aufgenommen und an die SchülerInnen weitergegeben hat, und genau das wird auch ihre Stärke in der Zukunft sein.

Daher sind wir stolz auf unsere Vergangenheit und blicken voller Optimismus in die Zukunft.

 

 

 1945 bis 1999 ... Bundesgewerbeschule bzw. Höheren Technischen Bundes-Lehr–(und Versuchs-) Anstalt

 

Die Entwicklung der Bundesgewerbeschule bzw. Höheren Technischen Bundes-Lehr–(und Versuchs-) Anstalt 1945 bis 1999

 

Kriegsende 1945: die Schulgebäude sind arg mitgenommen, in teilweise fensterlosen, ungeheizten Räumen wird Unterricht von Lehrern geführt und von Schülern ertragen. Die Schülerzahlen erreichen Rekordhöhe, vor allem die älteren Schüler – oft Heimkehrer – arbeiten ernst und verbissen, um versäumte Jahre aufzuholen.

 

Not macht erfinderisch – und kreativ. In diesem Sinn reagierte 1946 der technisch –gewerbliche Zweig des Unterrichtswesens; in einem verantwortungsbewussten Kraftakt entstand das Ischler Programm, welches neue und nachhaltige Akzente setzte: Neben modernen Lehrplänen erfuhr der Werkstättenunterricht  eine entscheidende Aufwertung: die Stundenanzahl wurde bis aufs Vierfache erhöht; konnten bislang im W-Unterricht nur Fertigungsprozesse, erst sekundär Fertigkeiten vermittelt werden, so wird ab nun eine so gründliche Ausbildung angestrebt, dass die Schulabgänger mit Absolventen einer Lehre in Wettbewerb treten können. Dadurch wurde die Verwendbarkeit der Abgänger vervielfacht.

 

Dieser Erfolg wurde durch hohen Fleiß und Zeitaufwand der Schüler (47 Wochenstunden) erarbeitet. Dieser Standard wurde seit Mitte der 70er Jahre schrittweise abgesenkt.

 

Paradebeispiel ist das schulübergreifende Programm „Schüler fertigen Drehbänke für Schüler“.

Der Konstruktionsplan entstand 1950 in der Schellinggasse (FL Ing. Anibas), 1952 war der Prototyp fertig. (Abb. 4). 


(Abb. 4) „Die“ Drehbank      

Insgesamt wurden bis ca. 1985 weit über 400 Stück gefertigt (heute ist das Projekt zum Erliegen gekommen, im Gegenteil: Die restlichen Exemplare sollen ausgeschieden werden, weil sie nicht mehr den Sicherheitsstandards entsprechen).

 

Am Bauhof war der Unterricht durch Zerstörungen sowie militärische Besetzung des Gebäudes verunmöglicht. Aus der Not eine Tugend machend, wirkten die Bauschüler an öffentlichen Wiederaufbau-Projekten mit, z.B. am Dach des Stephansdomes, der Sezession oder am Fuhrhof des Schlosses Schönbrunn. Dann wurde 1952/53 in Selbsthilfe – Arbeit eine provisorische Zimmerer-Werkstätte erbaut.

 

Die rasante technische Entwicklung und Spezialisierung in den Jahrzehnten nach dem Krieg schlägt sich in der Expansion unserer Lehranstalt bis 1982 nieder – sowohl was die Anzahl Schüler und Klassen betrifft als auch bezüglich Vielfalt der Abteilungen.

 

Als besondere Pionierleistung ist dabei zu würdigen, dass ab 1956 – als erste in Österreich -eine Abendschule für Berufstätige begründet wurde und bald zum Bestseller wurde. (Zumindest so lange der Nachholbedarf anhielt und Konkurrenz fehlte): ab Feber 1956 BM und BE, ab 1962 für Hochbau, ab 1963 BN.

 

Das Angebot an Fachabteilungen der Tagesschule wuchs 1964 um die Höhere Abteilung für Hochfrequenz- und Nachrichtentechnik, 1965 begann die Höhere Abteilung für Flugtechnik und ab 1972/73 wurden Kollegs zu vier Semestern eingerichtet. Damit nicht genug, wurden wieder Fachschulzüge gestartet, diesmal als vierjährige Version, und zwar ab 73/74 aus Maschinenbau und Hochbau, später auch für N-Schüler.

 

Nicht zu vergessen die altgediente dreisemestrige Bauhandwerkerschule in zwei Zügen (für Maurer und Zimmerer) und ab 1954 ein Bodenlabor.

 

Solcherart wetteiferte die HTL Schellinggasse mit dem TGM um den Rang der Wiener Schule mit der höchsten Anzahl an Schülern. Diese erreichte etwa 2200. Dass mit dieser Expansion die Beschaffung von zusätzlichem Schulraum nicht Schritt halten konnte, liegt auf der Hand.

 

 

An Akquisitionen sind zu berichten:

 

Jänner 1965                 Inbetriebnahme des neuen Theoriegebäudes am Grundstück 3, Leberstraße 4c

ab Oktober 1965         Rückgliederung des Traktes Fichtegasse an das Stammgebäude der Schellinggasse

 

ab 1970                       Traglufthalle für den Turnunterricht am Grundstück Leberstraße 4c,
niedergebrochen zu Ostern 1981.

ca 1976 bis 1985         provisorische zweigeschossige Werkhalle für die Grundausbildung, Gebäude Leberstrasse

1972                            Eröffnung eines straßenseitigen Zusatz-Traktes zum Gebäude aus 1965

ca 1977 bis 1982         angemietete Räume  (Werkstätten und Klassen) im 1. Stock des Fichtehofs in der Schellinggasse

ab 1.1.1985                 Beziehen eines großzügig ausgebauten Werkstättentraktes in der Rennwegkaserne, 3, Rennweg 69b, als Ersatz für die abhanden gekommenen Nutzflächen in der Leberstraße.

Im Herbst 1980 fand eine opulente 100-Jahr-Feier statt, deren Höhepunkte waren ein Festakt im Wiener Musikverein-Saal, Ausstellungen im ganzen Schulgebäude sowie im Künstlerhaus sowie eine geschlossene Vorstellung in der Staatsoper (Verdi/Othello).

Schon in diesem Jubeljahr erschienen Vorzeichen für einen großen Strukturwandel unserer Schule. Da kein Baum in den Himmel wächst, wurde der oben beschriebene Riesenwuchs durch – viel diskutierte Entscheidungen des BMU beendet und 1982 folgendermaßen umgesetzt:

 

1) Auslagerung der Abteilung Flugtechnik an die HTL Eisenstadt (auslaufend, letzte F-Reifeprüfung in Wien im Juni 1986)

2) Verselbständigung der Expositur Leberstraße zu einer eigenständigen Hoch- und Tiefbau HTL (Camillo Sitte Lehranstalt), welche dann einen großzügigen Neubau erhielt, nebst Absiedlung der Werkstätten für M, E und N aus diesem Areal.

 

Was seit etwa 1970 oder sogar 102 Jahren gemeinsam gewachsen ist, lässt sich nicht über einen Schulsommer hinweg völlig trennen; dies betrifft Räume, Inventar und personelle Verknüpfungen. Erst im August 1989 konnte ein abschließender detaillierter Bericht über die zu Ende gebrachte Entflechtung der Schulen an das BMU abgeführt werden.

 

Trotzdem bleiben die Probleme Raumnot, Turn-Ort, Betriebslabor, Wanderklassen etc. als treue Begleiter zurück; diverse Gerüchte oder auch konkrete Pläne betreffend einen neuen Standort der Schule kamen und gingen, insbesondere sei berichtet:

 

·         Eine neue zentrale HTL durch Verbauen der Aspanggründe

·         Überbauung der Gleisanlagen des Westbahnhofs nach dem Vorbild des F.J. Bahnhofes unter Einschluss einer HTL

·         In den 1990er Jahren sollte dem Werkstättentrakt in der Rennweg-Kaserne ein Theoriegebäude zur Seite bzw. in den Hof gestellt werden; dafür gab es sogar schon einen Architekten und Baupläne. Jedoch vereitelten die Auflagen des Denkmalschutzes (Waisenhaus Kirche) das nötige Bauvolumen.

·         Als dann als nächstes Projekt ein Umbau der Tabakregie in Ottakring die Gerüchtebörse belebte, glaubten die wenigsten Schulangehörigen, dass es diesmal zur Realität werden könnte…, aber dieses Mal hatte es dann geklappt und es wurde Realität.

 

 

 1938-1945 ...Zeit der Ostmark


Die Staatsgewerbeschule Schellinggasse zur Zeit der Ostmark

 

Der Säuberungswelle nach dem 18. März 1938 fällt eine Reihe verdienter und erfolgreicher Lehrer zum Opfer, vom Direktor abwärts. Sie werden versetzt, zum Hilfslehrer degradiert oder außer Dienst gestellt. Erste weitere schulische Störung: Im Schulgebäude ist wochenlang das Oberkommando der 8. Armee stationiert.

Den Lehrer- und Schülerlisten der Berichte 1939 bis 1944 entnehmen wir zunehmend chaotische Verhältnisse im Schulbetrieb, gefolgt von Not-Abschlussprüfungen: rascher Lehrerwechsel durch Einberufung zum aktiven Wehrdienst, kein Unterricht mehr aus L.Ü. und Religion, kein schulärztlicher Dienst mehr, Absacken der Schülerzahl auf die Hälfte. Erschütternd auch die erste Seite dieser Jahresberichte unter dem Titel „Gefallen für Großdeutschland“; sie wird jährlich länger, (z.B. 1942/43 41 Gefallene und zwar 8 Schüler, 33 Absolventen).

Immerhin wird 1938 auf dem Areal des Bauhofs Leberstraße ein Theoriegebäude errichtet, welches den Klassen der Bauhandwerker diente und erst 1983 dem Neubau der HTL 3 weichen musste.

 

 1918-1938 (1. Republik) ... Staats-Gewerbeschule und Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt Wien I

 

Staats-Gewerbeschule und Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt Wien I. während der 1. Republik.

 

Der Kriegsausbruch 1914 brachte vielschichtiges Unheil über die Schule: nicht nur die Auslagerung in ein Ausweichquartier – die militärischen Einberufungen und sonstigen Nöte drückten die Schülerzahl bis 1915 auf ein Drittel und es wurden nur mehr die höheren Abteilungen geführt.

 

Wohl stieg nach dem Kriegsende die Schülerzahl sprunghaft an (Kriegsheimkehrer!) auf 438, aber mit dem Verschwinden des wirtschaftlichen Großraumes begann eine jämmerliche Zeit. Aber: die Technik schritt weiter voran und als erste Innovation dieser Ära entstand – auf Antrag des Lehrkörpers – ab 1927/28 eine Tiefbau-Abteilung; große Bauvorhaben im städtischen Tiefbau, an Straßen und Flüssen ließen diese Gründung ratsam erscheinen.

Die stürmische Entwicklung der Elektrotechnik duldete es nicht länger, sie als Maschinenbauanhängsel zu führen, sodass ab dem Schuljahr 1927/28 eine Abteilung Elektrotechnik geführt wird.

 

Erst 1926/27 Einführung von Turnunterricht  (je 2 Wochen-Stunden in den ersten drei Jahrgängen), womit eine 73-jährige Turnort-Misere ihren Anfang nahm. Vorerst musste man die Turnsäle der Schulen in der Hegelgasse anmieten; ab 1929 ergab sich eine akzeptable Lösung im ehem. Kriegsministerium am Stubenring; die frühere Reitschule war vom Turnerbund überdacht und zum Turnsaal ungebaut worden (Ab.1). Ebenso ab 1926 wurden Skikurse in den Radstädter Tauern abgehalten.

 

 

 

(Abb. 3).Eine Turnstunde

 

1934/35 Einführung von Religionsunterricht

 

Fremdsprache Englisch war nur Freifach (bis 1951)

 

Erstes E-Labor 1927, dazu 1937 zwei größere Übungsräume adaptiert.

 

Erster Anlauf zu einer Abendschule für Berufstätige ab Feber 1929 (höhere Maschinenbauschule für Praktiker) in Analogie zu den damals neuen Arbeitermittelschulen; sie wurde von den Arbeitern selbst gefordert und von unserem Lehrkörper empfohlen.

 

Obwohl 1934 die ersten 34 Absolventen hervorgingen, wurde dieser Schulzweig als Folge von Bürgerkrieg und Finanznot eingestellt.

Die Studiendauer war an den höheren Abteilungen bis 1951 generell vierjährig; nur die Hochbauer hatten eine Zeit lang ein 9. Semester, um die umfangreiche Baupraxis unterbringen zu können.

 

Stichwortartig seien Punkte aus dem Schulleben genannt, die sich deutlich vom heutigen Schulbetrieb unterscheiden und mitunter eine abwechslungsreiche Entwicklung durchliefen:

·         Aufnahmebedingungen bzw. Aufnahmeprüfung (zu Recht wollte man jene Bewerber herausfinden, für welche diese kostspielige Schultype die größten Erfolgsaussichten bietet). Stimmt dies heute nicht mehr?

·         Studienberechtigungen der Maturanten

·         Gewerbeberechtigungen der verschiedenen Absolventen

·         Schulgeld und Studiengebühren

·         Ausmaß des praktischen Unterrichtes

·         Lehrpläne, Anzahl Wochenstunden

·         Regelungen betreffend Ferialpraxis

·         Schülerlade und Unterstützungs-Wesen

·         Sonstige, der Schule angeschlossene Einrichtungen und Angebote wie z.B. Schülerbibliothek, Schülerorchester, schulärztlicher Dienst, Schulkino, Segelflieger-Gruppe, Exkursionen usw.

 

 

Neben den nunmehr vier höheren Abteilungen existierte ein Kommen und Gehen zahlreicher Kurse, Werkmeisterschulen, Spezialkurse (z.B. für Werkmeister, Tischler, Steinmetze, Bildhauer). Man sollte sie nicht als Anhängsel gering schätzen, sondern Folgendes bedenken: Erst die große Anzahl der Frequentanten hat unsere Schule bei der Wiener Bevölkerung in viel höherem Ausmaß populär gemacht, als es die Gruppe der Maturanten vermochte.

Dazu ein konkretes Beispiel aus 1887/88:

·         höhere Gewerbeschule         307 Schüler

·         Werkmeister                         289 Schüler

·         Spezialkurse (13 Abtgen)     686 Schüler

·         Fortbildungsschulen             250 Schüler

 

Den Vorboten des Jahres 1938 konnte auch das Klima in der Schule Schellinggasse nicht entrinnen. Aus dem Vorwort im J.B. 1937/38 erfährt man über politische Spannungen quer durch Lehrkörper sowie Schülerschaft zur Zeit des Ständestaates (z.B. zweimalige Stürmung der Schule durch die Heimwehr, die Schule als Hochburg Illegaler in Wien verschrien).

 


 

 1880-1918 ... die k.k. Staatsgewerbeschule

 

 Die k.k. Staatsgewerbeschule (1880 – 1918)

 

Selbstredend spiegelt sich die Entwicklung der Technik im Angebot an Abteilungen der Staatsgewerbeschulen bzw. HTLs wieder. Demnach bestanden bis 1921 nur die beiden großen Blöcke Höhere Gewerbeschulen bautechnischer- und maschinentechnischer Richtung.

 

Mit Ausnahme der Periode Schuljahr 1885/86 (Einzug ins neue Schulgebäude) bis 1912 (Beginn des fachpraktischen Unterrichtes) begleitete unsere Schule bis 1999 ein Hauptproblem: Raummangel; dieser scheint mit dem Umzug nach Ottakring endlich behoben zu sein.

 

Ab 1880             räumliche Enge in den zwei Gebäuden Gußhausgasse und St. Anna (Abb. 1b, 1c), welche von der Schulneugründung überfordert waren.

 

(Abb. 1b) Gußhaus, IV Bez. Gußhausgasse 7
(Abb. 1c) St. Anna-Gebäude 1.Bez. Annagasse 3


                        

 

 

 

1883 – 1885       daher - Errichtung eines mächtigen, fünfgeschossigen Baues im spät-franzisco-josephinischen Geist der Ringstraßenbauten (der ital. Renaissance nachempfunden) nach den Plänen von Avanzo und Lange unter Führung des Direktors Camillo Sitte (Abb. 2). Neben dem Pädagogium Hegelgasse 12 gelegen beherbergte der Komplex auch eine Lehrerinnen-Bildungsanstalt sowie eine Expositur der Akademie für angewandte Kunst (Trakt Fichtegasse).


(Abb. 2) neues Anstaltsgebäude 1.Bez. Schellinggasse 13


Das heutige Aussehen weicht seit der Renovierung 1968 vom ursprünglichen (Abb. 2) im Detail ab.

 

 

Die Lehrpläne dieser Zeit sahen weder Leibesübungen noch Werkstättenunterricht vor, auch nicht Religion, Laborübungen und kein Pflichtfach Englisch. Dementsprechend erhielt das Gebäude keine dafür geeigneten Räume.

 

      1896                Einrichtung einer Prüfanstalt für Baumaterialien

      ab 1897           erste Ansätze von Werkstättenunterricht

1906                elektrotechnisches Kabinett im Erdgeschoß – neues Unterrichtsfach für Maschinenbauer.

1912                Errichtung eines Schulbauhofs in Wien 2, Leberstraße 4 nach Plänen des Direktors Nicolaus Raubal – Benützung der Lehrwerkstätten der Fortbildungsschule in Wien 6, Mollardgasse 87 (bis 1927)

1914 – 1918    Lehrbetrieb drastisch reduziert und nach Wien 10, Eugenstraße 81 ausgelagert, da im Schulgebäude ein Lazarett einquartiert wurde.

 

 

 

 

 1846 - der Anfang

  Wann und warum wurden die Staatsgewerbeschulen gegründet?

 

In der zweiten Hälfte des 18. und ersten des 19. Jahrhunderts waren England und Frankreich in Europa wirtschaftlich führend – nicht zuletzt auf Grund der Förderung der Wissenschaften und des Schulwesens. Der rege Import der besseren ausländischen Produkte hatte Österreichs Wirtschaft in Bedrängnis gebracht, dies zwang die Verantwortlichen im Schulwesen zu einem Umdenken. Noch dazu wurde das Errichten und Verbreiten von Musterschulen durch die napoleonischen Kriege behindert, erst im Herbst 1815 begannen Vorlesungen am polytechnischen Institut (heute TU) und endlich begann eine Zeit des industriellen und wirtschaftlichen Aufschwungs.

1846                Gründung einer „Gewerblichen Zeichenschule“, einer selbständigen Lehranstalt für Bauzeichnen, Manufakturzeichnen und Zeichnen für Mechaniker, dem Polytechnikum (Vorläufer der TU) unterstellt und am Glacis 28 (heute Karlsplatz) untergebracht

1848        erstmals ein eigenes Unterrichtsministerium

1882                   war das junge gewerbliche Schulwesen dem Handelministerium unterstellt.

1846 – 1870    trotz der verschleppten Reformen eine Gewerbliche Zeichenschule (vier Abteilungen, 400 bzw. 600 Schüler) dem k.k. Polytechnikum unterstellt, sie war direkter Vorläufer unserer Schule!

1870                bahnbrechende Reformstudie von Sektionsrat Freiherr v. Dumreicher (Unt. Min.) unter dem Druck der ausländischen Konkurrenz: der Mangel an gewerblicher Fachausbildung erzwingt weit reichende Ausbaupläne, unter anderem:

1870                als Pilotprojekt die Aufwertung der Zeichenschule zur k.k. Bau- und Maschinengewerbeschule; sie war bis 1865 am Polytechnikum, dann drei Jahre lang in der ehemaligen Gewehrfabrik Währingerstraße 201 (Abb. 1a) und ab 1868 im Gußhaus, ab 1876 verstärkt durch eine Expositur im 3. Stock des St. Anna-Gebäudes, und verlief dreijährig.

 

ab 1875:          Schaffung einer beschränkten Anzahl großer, musterhaft ausgestatteter gewerblicher Lehranstalten in den Industrie- und Verkehrszentren der Monarchie, u.a. 1877 in Brünn und mit Erlass ZL 6446 vom 22. Mai 1880 (= Geburtstag) Staatsgewerbeschule in Wien. Sie hatte zu führen:

a)      zwei höhere Abteilungen (Baufach, Maschinenfach) mit einer Vorbereitungsklasse und drei weiteren Studienjahren

b)      eine Werkmeisterschule (mehrere Bauabteilungen, eine Maschinenabteilung)

c)      Kurse für Kesselwarte, Lokomotivführer, Schiffsmaschinisten

d)     eine gewerbliche Zeichenschule

1879                Neuorganisation als Höhere Gewerbeschule.

 

Zuletzt geändert am 17.11.2009 09:57  von EDUNET\administrator