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Rezensionen
Die Lüneburg-Variante
Dieter Frisch, ein reicher Geschäftsmann und passionierter Schachspieler, wird in seinem Garten, in der Nähe von Wien, erschossen aufgefunden. Handelt es sich um Mord oder Selbstmord? Auf dem Schreibtisch des Toten findet man ein merkwürdiges Schachbrett, aus hellen und dunklen Stoffstücken zusammengenäht. Hat das königliche Spiel etwas mit dem Todesfall zu tun?
Maurensig schildert in dem Roman die Geschichte einer Rache, die mit Hilfe einer Schacheröffnung - eben der Lüneburg- Variante - durchgeführt wird. Der Jude Tabori, der im KZ der Vernichtung entronnen ist, sucht in der Welt der Schachbesessenen nach seinem ehemaligen Peiniger Frisch, von dem er zuerst nur weiß, dass er für seine Greueltaten nicht zur Rechenschaft gezogen worden ist. Als Werkzeug dient ihm dabei der Ich-Erzähler der Binnenhandlung, den er vom Patzer zum Meisterspieler ausbildet.
Erzähltechnisch geht Maurensig keinen einfachen Weg: Auf zweihundert Seiten erzählt er drei Ge-schichten: den Fall Frisch, die Geschichte der Rache sowie das Schicksal des tatsächlichen Opfers.
Die Übersetzung erscheint stellenweise nicht immer gelungen, dennoch liest sich der Roman spannend.
Paolo Maurensig ist ein italienischer Geschäftsmann, der im „zarten" Alter von mehr als 50 Jahren sein erstes Buch schrieb. „Die Lüneburg-Variante“ wurde von Kritikern in die große Tradition der Romane eingereiht, in denen Schach zur Metapher für das Leben der Protagonisten wird: Stefan Zweigs „Schachnovelle“, Vladimir Nabokovs „Lushins Verteidigung“, Lars Gustafssons „Die dritte Rochade des Bernard Foy“ und Fernando Arrabals „Hohe Türme trifft der Blitz“.
Paolo Maurensig, Die Lüneburg-Variante, Suhrkamp TB, 1998, 212 S.
Der Unsichtbare
Hilmer Eriksson, der Ich-Erzähler ist der Unsichtbare. Anfang Mai stellt er fest, dass er seinen Körper nicht mehr spürt. "Ich bin hier!" brüllt Hilmer Eriksson verzweifelt, doch keiner hört ihn. Nichts von dem, was er tut, hat irgendeine Wirkung, irgendeinen Einfluss auf seine Umwelt. Das einzige, was Hilmer Eriksson bleibt, ist Harald Fors zu folgen.Harald Fors ist Polizist und soll das Verschwinden des 16-Jährigen aufklären, der am Samstag in den Sportverein fuhr, um ein Handtuch zu holen und seitdem von niemandem mehr gesehen wurde.
In Mats Wahls Kriminalroman wird bald klar, dass an Hilmer Eriksson ein Verbrechen begangen wurde und dass eine kleine Gruppe junger Neonazis, deren Existenz im Dorf „da oben" tunlichst ignoriert wird, mit diesem Verbrechen zu tun hat.
Die erzählte Zeit erstreckt sich von Montagvormittag bis Dienstagmittag. Der kriminalistische Plot verläuft geradlinig und ohne Überraschungsmomente; die Wahrnehmung der Figuren ergibt sich aus vielen Dialogen und Hinweisen auf Freund- und Feindschaften. Und Hilmer Eriksson, der Unsichtbare, bleibt während all dieser Zeit präsent - obwohl er längst nicht mehr von dieser Welt ist...
Der Roman wurde 2002 mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet.
Mats Wahl, Der Unsichtbare, Deutscher Taschbuch Verlag, Reihe Hanser, 8. Aufl. 2007, 205 S.
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